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    Kamishibai

    Theater

    Das Kamishibai ist ein tragbares Erzähltheater oder Tischtheater zum bildgestützten Erzählen im Kindergarten. Der Geschichtenerzähler schiebt seine Bilder in den Bühnenrahmen, öffnet die Flügeltüren und beginnt, Bild für Bild seine Geschichte zu erzählen. Entdecken Sie bei uns viele Geschichten zu den unterschiedlichsten Themen.

    Preis
    15.9 - 98
    Material
    Fachbereich
    Förderkompetenz
    Entwicklungsorientierte Zugänge
    Artikel pro Seite: 24, 48, 96
    30 Artikel

    Kino mal anders: Kamishibai

    Alle Kinder sammeln sich im Sitzkreis, die Augen gebannt auf die Erzählerin gerichtet. Vor ihnen steht ein Kasten, geheimnisvoll zugeklappt. Was mag sich hinter den hölzernen Türen verbergen? Die Erzieherin öffnet vorsichtig die beiden Türen, alles wird mäuschenstill. Ein Bild erscheint im Kamishibai. Und dann erzählt die Erzieherin. Die Kinder tauchen immer tiefer in die Geschichte ein, erleben die Abenteuer von Elmar, dem bunten Elefanten, von Frederik, der kleinen Maus. Die Bildkarten im Kamishibai Erzähltheater begleiten sie, helfen ihrer Fantasie. Und sie stimmen selbst mit ein in den Chor der unterschiedlichen Charaktere, die eine Geschichte lebendig machen.

    Kamishibai Bildkarten: Erzählkunst aus Japan

    Mündlich tradierte Erzählungen kennt man wohl überall auf der Welt. In Japan waren es einst blinde Menschen, die durch das Land zogen und ihre Erzählungen auf einem Saiteninstrument begleiteten.

    Heute werden Kamishibai in den Kindergärten, Kindertagesstätten und öffentlichen Bibliotheken Japans genutzt, um den Kindern das Erzählgut Japans genauso wie moderne Kinderliteratur nahe zu bringen. Geschichten werden immer von Bildern begleitet. Das erleichtert den Kindern das Zuhören und nimmt sie mit in die Geschichten. Kamishibai Geschichten nach japanischer Art sind in Europa allerdings nicht verbreitet. Wir bieten die Klassiker der Kinderliteratur als Kamishibai Bildkarten an.

    Kamishibai in der Praxis

    Der schwarze hölzerne Kasten mit den Flügeltüren verbirgt erst einmal keine Geschichte. Die wird separat dazu erworben. Sie schieben die Bildkarten Ihrer Kamishibai Geschichten von oben in den Rahmen und lassen die Geschichte so in kleinen Portionen voranschreiten. Jedes Bild markiert eine Szene, eine Situation. Je häufiger die Bildkarten wechseln, desto enger getaktet und spannender ist die Geschichte. Bei längeren erzählenden Passagen kann ein Bild auch lange im Rahmen bleiben.

    Das Kamishibai ist dabei nicht nur ein Bilderrahmen, sondern lässt die Geschichten wie im Theater lebendig werden. Deshalb wird diese Erzähltechnik hierzulande auch als Kamishibai Erzähltheater oder als Bilderbuchkino bezeichnet.

    Papier-Schauspiel gibt Kindern die Erzählerrolle

    Will man sich dem Kamishibai uneingenommen nähern, geht das über die Sprache. Kami ist das japanische Wort für Papier. Shibai meint das Schauspiel oder Theater. Wir kommen also beim Papiertheater heraus: Auf Papier gemalte Bilder erzählen die Geschichte, die Erzählerstimme braucht es eigentlich gar nicht.

    Und genau so arbeiten Pädagogen und Pädagoginnen weltweit mit den Geschichten, die die Bildkarten erzählen: Sie schieben die bunt bedruckten Papiere in den Kasten, der wie ein Kasperlitheater aus jedem Kindergartenraum und jeder Schulaula eine Bühne macht. Dann dürfen die Kinder erzählen, was sie sehen. Die Geschichte wird gemeinsam entwickelt, die Bilder führen hindurch. Die Magie des Kamishibai liegt in der Interaktion.

    Wertvolle Erfahrung für Kinder

    Kinder werden bei dieser Form des Erzählers nicht unterhalten oder belehrt, sondern müssen selbst an der Geschichte mitarbeiten. Natürlich kann sich die Geschichte dann auch in eine Richtung entwickeln, die so nicht intendiert war - dann helfen die Pädagogen und Pädagoginnen mit ihrer Moderation weiter. Wenn Kinder selbst bildgestützt erzählen dürfen, fördert das verschiedene Fähigkeiten und Fertigkeiten:

    • Für das konsequente Erzählen ist eine hohe Konzentration nötig. Was hatten wir doch gleich auf der letzten Karte gesehen?
    • Kinder erleben sich als wirksam: Sie gestalten ihre Geschichten selbst.
    • Gemeinsam erweitern und festigen die Kinder beim Erzählen ihren Wortschatz.
    • Ganz nebenbei lernen Kinder, Geschichten strukturiert und Ereignisse in der korrekten Reihenfolge wiederzugeben.

    Jedesmal anders und doch alte Bekannte

    Sie kennen das vielleicht: Gute Bücher liest man immer wieder. Die Geschichten fesseln und faszinieren ein um das andere Mal, und sie sind doch nicht zweimal gleich. Bei jedem Lesen entdecken Sie andere Details, die Ihnen zuvor entgangen waren. Kamishibai Geschichten sind nie gleich. Sie werden jedes Mal anders erzählt und transportieren doch immer die gleichen Inhalte. Diese Dynamiken bemerken die Kinder auch. Sie werden mit der Zeit damit spielen. Kamishibai Erzähltheater lassen in der wiederholten Interaktion auch immer wieder ein "Was wäre, wenn ...?" entstehen.

    Geschichte des Kamishibai reicht bis ins 10. Jahrhundert zurück

    Am Anfang arbeiteten die buddhistischen Wandermönche natürlich nicht mit einem schwarzen Holzkasten und Bildkarten in Hochglanzdruck. Stattdessen verwendeten sie Bilderfolgen aus dem typisch japanischen Papier, sehr haptisch und durch seine feine Struktur in sich der Geschichte Leben verleihend. Ursprünglich wurden mit den Bilderfolgen buddhistische Lehren verbreitet. Das änderte sich allerdings im Verlauf der Jahrhunderte.

    Schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts waren Kamishibai aus der Hand der buddhistischen Wandermönche in die Domäne der Süsswarenhändler übergegangen. Die schnallten sich ihre Erzählkästen auf das Fahrrad und zogen damit durch die Dörfer. Der grosse Holzkasten war fest auf dem Fahrrad verschraubt. Die Geschichten wurden lebhaft vorgetragen, die Bilder unterstützten die Lust des Publikums an immer mehr Süssigkeiten. Die Geschichten waren so konstruiert, dass die Dorfjugend und sogar die Erwachsenen dem nächsten Besuch des Mannes mit dem tollen Theater und den Süsseren entgegenfieberten.

    Fernsehen als Konkurrenz

    Als ab den 1950er-Jahren das Fernsehen immer weitere Verbreitung fand in Japan, geriet das Papiertheater bis in die 1970er-Jahre in Vergessenheit. Auf der internationalen Buchmesse in Bologna im Jahr 1970 kam das Kamishibai Erzähltheater wieder aus der Versenkung und erlebte dann sukzessive in Europa ein Comeback. Allerdings hatte es kaum den pädagogischen Stellenwert, den wir ihm heute beimessen. Das ist das Verdienst einer Amerikanerin mit japanischen Wurzeln und ihrer Bekannten auf einer US-Militärbasis im Japan der 1980er-Jahre. Die beiden Damen machten das Kamishibai als pädagogisches Medium weltweit berühmt und führten es damit zurück zu seinen Wurzeln.

    Besonderheiten:

    • Sie können das Kamishibai aufgrund seiner leichten Bauweise überall nutzen.
    • Kamishibai Bildkarten und Geschichten gibt es für jede Altersklasse und für alle Sprachniveaus, dazu noch in zahlreichen verschiedenen Sprachen.
    • Die Bildergeschichten regen die Vorstellungsbildung an und fördern die sprachliche Entwicklung.
    • Das Verständnis konkreter und abstrakter Vorgänge wird gefördert.
    • Kinder finden im bildgestützten Erzählen in eine eigene Erzählstruktur.

    Nimmt man das alles zusammen, ist das Potenzial des Kamishibai enorm: Die Kamishibai Geschichten senken bei Kindern die Hemmungen, vor grösseren Gruppen zu sprechen, und fördern die Sprachentwicklung. Die Bildkarten können zur ästhetischen Bildung eingesetzt werden. Und schliesslich regen die bebilderten Geschichten die Kreativität an und stärken die Gemeinschaft. Wird dazu noch musiziert (beispielsweise mit einer Klangschale oder Orff Instrumenten), um die Geschichte weiter zu untermalen, gehört das Kamishibai in die musikalische Früherziehung. Und natürlich werden die Kinder irgendwann ihre eigenen Kamishibai Bildkarten für das Erzähltheater gestalten wollen.