Das Label «Neurodivers» kennzeichnet ausgewählte Materialien und Hilfsmittel, die Kinder im pädagogischen Alltag bedürfnis- und situationsorientiert unterstützen können.
Jeder Mensch nimmt Reize, Informationen und Situationen anders wahr. Was für das eine Kind anregend und lernförderlich ist, kann ein anderes schnell überfordern. Manche Kinder reagieren besonders sensibel auf Licht, Geräusche, Berührung oder Gerüche. Andere suchen bestimmte Sinnes- oder Bewegungsreize, um sich besser zu spüren, sich zu regulieren oder bei einer Tätigkeit fokussiert zu bleiben.
Gerade im pädagogischen Alltag wird diese natürliche Neurodiversität besonders sichtbar: Hier treffen Kinder mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Regulationsmöglichkeiten aufeinander. Für pädagogische Fachpersonen entsteht daraus die anspruchsvolle Aufgabe, Bedürfnisse wahrzunehmen, passende Rahmenbedingungen zu schaffen und Kinder im Alltag adaptiv zu begleiten.
Hinweis:
Die gekennzeichneten Produkte sind keiner Diagnose zugeordnet und verstehen sich weder als medizinische noch als therapeutische Empfehlung. Entscheidend bleibt immer das einzelne Kind – verbunden mit einer achtsamen, pädagogischen Herangehensweise: beobachten, anwenden, reflektieren und adaptiv begleiten.
Was bedeutet das ProSpiel-Label „Neurodivers“?
Das Label «Neurodivers» gilt als Orientierungshilfe bei der Auswahl von Materialien für Kita, Kindergarten, Betreuung und Schule. Die gekennzeichneten Produkte können Kinder und Lehrpersonen bei unterschiedlichen Wahrnehmungs- und Regulationsbedürfnissen unterstützen.
Zum Beispiel wenn Kinder:
- Rückzug brauchen, um zur Ruhe zu kommen oder sich zu regulieren
- Reize intensiv wahrnehmen und Unterstützung bei der Dosierung brauchen
- ein hohes Bewegungsbedürfnis haben
- Unterstützung brauchen, um konzentriert und aufmerksam zu bleiben
- von individuellen Zugänge zum Lernen profitieren
- sensorische Erfahrungen, insbesondere taktile Reize, als unterstützend erleben
- durch klare Strukturen, Routinen und visuelle Orientierung Sicherheit gewinnen
- in Übergängen oder unruhigen Situationen zusätzliche Sicherheit brauchen
Die Auswahl basiert auf externem Fachinput, pädagogischer Einschätzung und fundierter Sortimentskenntnis. Die Produkte sind keiner Diagnose wie ADHS, Autismus-Spektrum (ASS), Hochsensibilität oder andere Formen neurodivergenter Entwicklung zugeordnet, sondern werden nach möglichen Unterstützungsbereichen betrachtet.
In der Praxis zeigt sich zudem, dass neurodivergente wie auch neurotypische Kinder die Materialien und Hilfsmittel teilweise anders nutzen und einsetzen, als ursprünglich vorgesehen. Diese flexible und individuelle Nutzung soll grundsätzlich ermöglicht werden, sofern sie dem Kind eine regulierende Unterstützung bietet und gleichzeitig die aktive Teilnahme am Lerngeschehen ermöglicht. Entscheidend ist daher nicht die vorgesehene Anwendung, sondern die individuelle Passung zum jeweiligen Kind und zur konkreten Situation.
Hinweis: Das Label ist keine medizinische oder therapeutische Empfehlung, keine Diagnose-Zuordnung und kein Wirkversprechen. Es ersetzt keine Abklärung, Therapie oder individuelle Fachberatung.
So finden Sie passende Hilfsmittel
1. Beobachten
Achten Sie darauf, in welchen Situationen ein Kind Unterstützung braucht. Ist es beim Ankommen, beim Zuhören, beim Warten, bei Gruppenaktivitäten, bei Übergängen, im freien Spiel oder nach lauten Situationen?
2. Bedürfnis erkennen
Beschreiben Sie das beobachtete Bedürfnis möglichst konkret und wertfrei. Geht es um Regulation, Rückzug, Konzentration, Struktur, Körperwahrnehmung oder Bewegung?
3. Hilfsmittel gezielt ausprobieren
Wählen Sie ein Hilfsmittel, das zum beobachteten Bedürfnis passt. Das Produkt entfaltet seine Wirkung selten isoliert. Entscheidend ist, wie es in den Alltag, die Lernumgebung und die Begleitung eingebunden wird.
4. Wirkung reflektieren
Beobachten Sie, wie das Kind das Material verwendet und welche Wirkung es erzeugt. Falls das Produkt nicht die gewünschte Wirkung hervorrufen kann, braucht es eine Anpassung oder andere Form der Unterstützung. Fragen Sie beim Kind nach, wie es das Produkt empfindet und was dadurch ausgelöst wird.
5. Gemeinsam im Team abstimmen
Beobachten, verstehen, anwenden, reflektieren und gemeinsam weiterentwickeln. So wird aus einem Hilfsmittel eine passgenaue Unterstützung für das einzelne Kind.
Unterstützungsbereiche – Hilfsmittel nach Bedürfnis auswählen
Die folgenden Bereiche zeigen typische Situationen im pädagogischen Alltag, in denen Kinder Unterstützung benötigen können und geben Orientierung bei der Produktauswahl.
Regulation & Beruhigung
Manche Kinder brauchen Unterstützung, um nach intensiven Spiel-Lernsequenzen wieder zur Ruhe zu kommen oder sich besser zu regulieren. Taktil beruhigende Reize oder sanfte, sich wechselnde Lichtquellen können helfen, Spannungen abzubauen, Reize zu ordnen und einen Moment der Stabilität zu schaffen.
Anwendungsmöglichkeiten
- bei innerer Unruhe und Anspannung
- bei hoher Reizdichte
- in Übergangssituationen
- während Wartezeiten
- in anspruchsvollen Gruppensituationen
- nach intensiven Lern- und Spielphasen
- zur Förderung von Ruhe und Selbstregulation
- zur Unterstützung von Wohlbefinden und Stabilität im Alltag









Rückzug & Reizdosierung
Rückzug bedeutet nicht Ausschluss. Ein reizarmer Bereich kann Kindern helfen, kurz Abstand vom Gruppengeschehen zu nehmen, Eindrücke zu verarbeiten, sich zu sammeln und danach wieder selbstbestimmt in den gemeinsamen Alltag zurückzufinden. Rückzugsorte sind besonders wertvoll, wenn sie klar eingeführt, gut erreichbar und als möglicher Lernort im pädagogischen Alltag verstanden werden. Sie bieten Kindern die Möglichkeit, sich entsprechend ihren individuellen Lern- und Regulationsbedürfnissen zurückzuziehen und dort zu regulieren oder sich ungestört auf Spiel- und Lernsituationen einzulassen.
Anwendungsmöglichkeiten
- bei Lärm, Licht oder vielen gleichzeitigen Eindrücken
- bei Anzeichen von Überforderung oder Stress
- zur Verarbeitung intensiver oder herausfordernden Situationen
- für kurze Erholungspausen im Alltag
- beim Bedürfnis nach einem geschützten Ort
- zur Gestaltung ruhiger Lern- und Spielbereiche
- zur Förderung von Wohlbefinden und Selbstregulation




Sensorik & Wahrnehmung
Sensorische Materialien ermöglichen bewusste und dosierbare Wahrnehmungserfahrungen. Je nach Kind und Situation können sie dabei unterstützen, Reize gezielter zu verarbeiten, den eigenen Körper bewusster wahrzunehmen und durch vertraute Sinneserfahrungen einen regulierten Zustand zu erreichen.
Anwendungsmöglichkeiten:
- für taktile Impulse durch Materialien, Formen oder Oberflächen
- zur Beruhigung durch gleichmässige, vorhersehbare Reize
- zur Unterstützung der Körper- und Eigenwahrnehmung
- für ruhige, wiederholbare Wahrnehmungserfahrungen
- zur Abschirmung störender Umgebungsreize




Konzentration & Fokus
Kinder können sich leichter konzentrieren, wenn sie sich in ihrer Umgebung sicher fühlen, klare Strukturen und Grenzen vorfinden und wissen, was von ihnen erwartet wird. Manche Kinder brauchen dafür eine ruhige Umgebung, klare Aufgaben oder kleine Hilfsmittel, die helfen, die Aufmerksamkeit zu bündeln. Materialien für Konzentration und Fokus können Kinder dabei unterstützen, bei einer Tätigkeit zu bleiben und Ablenkungen besser auszublenden.
Anwendungsmöglichkeiten:
- beim Einstieg in Lern- und Spielaktivitäten
- zur Förderung von Aufmerksamkeit und Ausdauer
- zur Unterstützung von Konzentration und Fokus im Alltag
- in kurzen Arbeits- oder Spielsequenzen
- bei geführten Angeboten im Kindergarten- oder Schulalltag
- in Situationen mit vielen Ablenkungen




Bewegung & Körperwahrnehmung
Manche Kinder brauchen Bewegungsimpulse, um Spannung abzubauen, sich zu konzentrieren, sich besser zu spüren oder danach wieder aufnahmefähiger zu sein. Bewegungsmaterialien und dynamische Sitzmöglichkeiten können helfen, diese Bewegungsbedürfnisse gezielt aufzunehmen und sinnvoll in den pädagogischen Alltag einzubetten.
Anwendungsmöglichkeiten:
- bei hohem Bewegungsbedürfnis
- bei innerer Unruhe und Spannungsaufbau
- während längerer Sitz- oder Wartezeiten
- zur Förderung von Körperwahrnehmung und Körperspannung
- zur Unterstützung von Selbstregulation und Fokus
- für kurze aktive Pausen zwischen Sequenzen
- zur Förderung von Wohlbefinden und Lernbereitschaft






Struktur & Orientierung
Klare Abläufe, sichtbare Orientierung und wiederkehrende Rituale geben Kindern Sicherheit im pädagogischen Alltag. Sie machen Situationen vorhersehbarer und helfen, Erwartungen, nächste Schritte und Übergänge besser zu verstehen.
Visuelle Orientierungshilfen schaffen einen verlässlichen Rahmen und unterstützen Kinder dabei, sich im Alltag selbstständig zurechtzufinden.
Anwendungsmöglichkeiten:
- zur Visualisierung und Strukturierung von Tagesabläufen und Routinen
- in Übergangssituationen wie Ankommen, Aufräumen oder Wechseln von Aktivitäten
- in offenen oder unübersichtlichen Situationen
- zum Verstehen von Aufgaben, Regeln und Erwartungen
- zur Förderung von Selbstständigkeit und Orientierung im Alltag
- zur Schaffung von Sicherheit und Vorhersehbarkeit












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Neurodiversität betrifft viele Bereiche des pädagogischen Alltags: Reizverarbeitung, Beziehungsgestaltung, Raumgestaltung, Classroom Management, Übergänge, Rückzugsmöglichkeiten, Konzentration und Materialauswahl.
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Häufige Fragen zum Label Neurodivers
Was bedeutet neurodivers?
Neurodivers beschreibt die Vielfalt menschlicher Wahrnehmungs-, Denk-, Lern- und Regulationsweisen. Im pädagogischen Alltag zeigt sich das zum Beispiel darin, dass Kinder unterschiedlich auf Reize, Bewegung, Nähe, Struktur, Gruppenaktivitäten oder Übergänge reagieren.
Was ist der Unterschied zwischen Neurodiversität und Neurodivergenz?
Neurodiversität beschreibt die natürliche Vielfalt aller menschlicher Gehirne, Wahrnehmungsweisen und Verarbeitungsformen.
Von Neurodivergenz spricht man, wenn Wahrnehmungs-, Aufmerksamkeits-, Lern- oder Regulationsweisen aufgrund neurologischer Unterschiede anders funktionieren als bei neurotypischen Menschen. Dazu können zum Beispiel ADHS/ADS, Autismus-Spektrum-Störung (ASS), Hochsensibilität, Dyspraxie, Dyslexie, Dyskalkulie oder Hochbegabung gehören.
Für das Label «Neurodivers» bei ProSpiel steht das beobachtbare Bedürfnis des Kindes im pädagogischen Alltag im Vordergrund. Diagnosen haben keine Relevanz.
Was bedeutet neurotypisch?
Neurotypisch beschreibt Wahrnehmungs-, Denk-, Lern- und Regulationsweisen, die mehrheitlich gesellschaftlichen Erwartungen oder üblichen Entwicklungsmustern entsprechen. Der Begriff wird häufig als Gegenüberstellung zu neurodivergent verwendet.
Wichtig ist: Neurotypisch bedeutet nicht «normal» im wertenden Sinn. Auch neurotypische Kinder haben unterschiedliche Bedürfnisse, Tagesformen und Lernwege. Für das Label «Neurodivers» steht deshalb nicht die Einteilung in neurotypisch oder neurodivergent im Vordergrund, sondern die Frage, welche Unterstützung ein Kind in einer konkreten Situation braucht.
Sind Produkte mit dem Label nur für neurodivergente Kinder geeignet?
Nein. Die Produkte richten sich nicht ausschliesslich an neurodivergente Kinder. Auch neurotypische Kinder können je nach Bedürfnis und Situation von Rückzugsmöglichkeiten, klaren Strukturen, Bewegung, sensorischen Erfahrungen oder unterstützenden Materialien profitieren.
Sind die Produkte bestimmten Diagnosen zugeordnet?
Nein. Die Produkte sind keiner Diagnose zugeordnet. Das Label orientiert sich nicht an Kategorien wie ADHS, Autismus-Spektrum, Hochsensibilität oder Wahrnehmungsverarbeitung, sondern an beobachtbaren Bedürfnissen Alltag.
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